Sexuell übertragbare Krankheiten
Das Wichtigste über Geschlechtskrankheiten
- Die wichtigsten sexuell übertragbaren Krankheiten
- Die wichtigsten sexuell übertragbaren Krankheiten auf einen Blick
- Was tun, wenn Sie von einer sexuell übertragbaren Krankheiten betroffen sind?
- Wie kann man sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen?
Allgemeines
Sexuell übertragbare Krankheiten - Geschlechtskrankheiten - gehören zu den Infektionskrankheiten, weshalb weltweit von den STI (aus dem Englischen: sexually transmitted infections) gesprochen wird. Diese werden durch mehr als 30 unterschiedliche Erreger verursacht, die Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze umfassen. Alleine seit 1975 wurden zwölf weitere Erreger entdeckt, die sexuell übertragbar sind und mit grosser Wahrscheinlichkeit werden weitere folgen. Das Gemeinsame an den STI ist, dass sie hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Unterschiedlich hingegen sind die Ansteckungsfähigkeit der Erreger, der Krankheitsverlauf sowie die therapeutischen Möglichkeiten und teilweise ihre Prävention.
Die “klassischen” Geschlechtskrankheiten (z.B. Syphilis, Gonorrhöe) haben ihren Schrecken verloren, seit sie mit Antibiotika behandelbar sind. Gegen die Hepatitis B, eine ernsthafte, ebenfalls sexuell übertragbare Erkrankung, gibt es seit längerem eine Schutzimpfung. Ebenfalls ist eine solche gegen spezielle Typen von Papillomaviren (HPV) zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und genitalen Warzen verfügbar. Die heute am meisten gefürchtete STI ist AIDS, weil gegen diese Krankheit weder ein heilendes Medikament noch eine Schutzimpfung zur Verfügung stehen.
Weltweit erkranken pro Jahr schätzungsweise 330 Mio. Menschen alleine an einer bakteriell bedingten Geschlechtskrankheit. Am weitesten verbreitet sind Trichomonaden mit 120 Mio., gefolgt von Chlamydien mit 50 Mio. und Gonorrhoe mit 25 Mio. Erkrankten. Weit höher liegt die Zahl der Betroffenen, wenn die sehr häufigen Infektionen mit den Papillomaviren oder den Herpesviren miterfasst werden. Die Zahl der HIV-Infizierten wird von der UNAIDS per Ende 2007 weltweit auf 33.2 Mio. geschätzt.
Die Ansteckung mit einer STI erfolgt überwiegend beim Geschlechtsverkehr durch direkten Kontakt mit infizierten Läsionen oder Körperflüssigkeiten (wie Samen- und Scheidenflüssigkeit). Die meisten Geschlechtskrankheiten, insbesondere Herpesinfektionen oder auch die Syphilis, können ebenso beim Oralverkehr, Küssen oder Petting (durch direkten Kontakt mit infektiösen Stellen ausserhalb der Genitalorgane) übertragen werden. Eine Ansteckung kann aber auch von der infizierten Mutter auf das ungeborene Kind bzw. das Neugeborene erfolgen. Einige Geschlechtskrankheiten (Hepatitis B/C, AIDS und Syphilis) können auch über Blutkontakt (z.B. beim Spritzentausch bei Drogenkonsum oder in der Westlichen Welt seltener durch infizierte Blutkonserven bzw. Blutprodukte) übertragen werden. Eine indirekte Ansteckung ist möglich bei gemeinsamen Gebrauch von Sexspielzeugen, jedoch extrem selten über Handtücher und Toilettenartikel. Eine übertragung durch Tröpfchen (z.B. Husten, Niesen) ist nicht möglich. Im alltäglichen sozialen Kontakt (Haushalt, Arbeitsplatz, etc.) ist eine Ansteckung mit einer STI bei Einhaltung der üblichen Hygieneregeln ausgeschlossen.
Die meisten STI (wichtigste Ausnahmen: Hepatitis B/C und AIDS) machen sich zunächst am Eintrittsort bemerkbar (Penis, Scheide, Schamlippen und je nach Kontakt auch After, Lippen und Mundhöhle). Einige STI sind einfach unangenehm, andere sind gefährlich: Bleiben sie unbehandelt, breiten sie sich über den ganzen Körper aus und können dann zum Teil schwere, irreparable Schäden wie Unfruchtbarkeit, Hirnschäden oder sogar den Tod zur Folge haben. Zusätzlich bedeutsam ist für die meisten Geschlechtskrankheiten, dass sie gleichzeitig zu einer erleichterten HIV-Infektion führen, die auch heute noch unheilbar ist und eine lebenslange Therapie notwendig macht.
Die wichtigsten sexuell übertragbaren Krankheiten
Syphilis (Lues, harter Schanker)
Die Syphilis wird durch spiralförmige Bakterien (Treponema pallidum) verursacht. Im Krankheitsverlauf unterscheidet man drei Stadien: Beim Stadium I kommt es durchschnittlich drei Wochen nach der Ansteckung (jedoch teilweise erst nach bis zu 3 Monaten) zu einem harten, nicht schmerzhaften Geschwür an der Stelle, an der die Infektion stattgefunden hat (am häufigsten genital). Die am nächsten gelegenen Lymphknoten schwellen an (meist in der Leiste). In der Regel heilt das Geschwür auch ohne Behandlung nach 6 Wochen ab. Unbehandelt schreitet die Erkrankung aber zum Stadium II fort, in dem sich die Bakterien über den ganzen Körper ausbreiten und Hautausschläge, Fieber und Lymphknotenschwellungen verursachen. Diese Erscheinungen verschwinden zeitweilig, können jedoch über Monate hinweg immer wieder auftreten. Wird auch dieses Stadium nicht behandelt, so kommt es nach mehreren Jahren zum Stadium III mit Befall der inneren Organe, insbesondere des Herz-/ Kreislaufsystems sowie der Haut und des zentralen Nervensystems mit Gangstörungen bei Rückenmarkbeteiligung und Demenz wenn das Gehirn betroffen ist.
Der Nachweis einer Infektion erfolgt durch einen Abstrich im Stadium I oder durch den Syphilistest im Blut, der erst etwa drei Wochen nach der Infektion zuverlässige Resultate liefert. Eine antibiotische Behandlung (Injektion mit einem Depot-Penicillin) im Stadium I und II führt zu einer vollständigen Heilung. Die Schäden einer Spätsyphilis (Stadium III) sind jedoch nicht immer rückgängig zu machen, auch wenn die Bakterien durch Medikamente abgetötet werden. In der Schwangerschaft kann die Syphilis zu schweren Schäden des ungeborenen Kindes oder zu Totgeburten führen.
Gonorrhö (Tripper)
Die Gonorrhoe wird ebenfalls durch Bakterien (Neisseria gonorrhoeae) verursacht. Zwei bis sieben Tage nach der Ansteckung kommt es zu rahmigem Ausfluss aus Penis und Scheide sowie Schmerzen beim Wasserlassen. Insbesondere bei der Frau können diese Symptome fehlen. Wird die Krankheit nicht behandelt, so kann es beim Mann zur Infektion von Prostata, Samenleiter und Nebenhoden kommen. Bei der Frau können Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke so geschädigt werden, dass dies zu einer Unfruchtbarkeit führen kann. Bei fehlender Therapie können sich die Bakterien auf den ganzen Körper, insbesondere die Gelenke, Haut und Bauchhöhle ausbreiten. Der Nachweis einer Gonorrhoeinfektion erfolgt durch mikroskopische und kulturelle Untersuchung des Ausflusses oder durch eine Urinuntersuchung. Die Gonorrhoe kann mit Antibiotika geheilt werden.
Ein grosses Problem stellt aktuell die zunehmende Resistenz auf unterschiedliche Antibiotikagruppen dar, weshalb der Wahl des Antibiotikums je nach Ort wo die Infektion erfolgte eine grosse Bedeutung zukommt.
Ulcus molle (weicher Schanker)
Das Ulcus molle wird durch Bakterien (Haemophilus ducreyi) hervorgerufen und ist eine seltene Erkrankung in Mitteleuropa, jedoch häufig in tropischen Entwicklungsländern. Zwei bis sechs Tage nach der Infektion treten weiche, schmerzhafte und unregelmässig begrenzte Geschwüre am Ort der Ansteckung auf. Die Lymphknoten der Leistengegend können stark anschwellen und ebenfalls schmerzhaft sein. Die Diagnose erfolgt durch einen Abstrich mit Nachweis des Erregers in den Geschwüren. Die Krankheit wird mit Antibiotika geheilt.
Chlamydieninfektionen
Chlamydieninfektionen sind in Europa sehr weit verbreitet und werden durch intrazelluläre Bakterien (Chlamydia trachomatis) verursacht. Sie erzeugen lästige Harnröhreninfektionen, die zu starkem Jucken und Brennen beim Wasserlassen führen. Beim Mann können der Nebenhoden, bei der Frau auch Gebärmutter, Eileiter und Bauchhöhle betroffen sein, was zu Unfruchtbarkeit und Eileiterschwangerschaften führen kann. Die Infektion, die häufig ohne Beschwerden verläuft, kann problemlos mit Antibiotika geheilt werden. Eine übertragung auf das Neugeborene ist häufig und führt zu Bindehaut- und Lungenentzündungen.
Lymphogranuloma venereum
Das Lymphogranuloma venereum wird durch spezielle Stämme von Chlamydia trachomatis verursacht und ist in Mitteleuropa sehr selten. Mindestens 14 Tage nach der Ansteckung treten genital oder anal scharf begrenzte kleine Geschwüre auf, die nach 10-14 Tagen spontan abheilen und wegen fehlenden Schmerzen oft übersehen werden. Erst die Schwellung der Lymphknoten im Leistenbereich (bis zur Faustgrösse) führt die Patienten zum Arzt. Probleme entstehen vor allem, wenn Lymphknoten nach aussen aufbrechen (Fisteln) oder innere Vernarbungen auftreten. Die Diagnose erfolgt durch den direkten Erregernachweis im Infektionsherd oder durch eine Blutuntersuchung. Die Krankheit kann im Anfangsstadium mit Antibiotika geheilt werden. Nachdem diese Erkrankung jahrelang in Europa nicht mehr gesehen wurde, ist es v.a. bei Homosexuellen, meist HIV-infizierten Männern, in den letzten Jahren zu Ausbrüchen mit schmerzhaften Enddarminfektionen gekommen.
Aids
AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome = erworbene Immunschwäche-Krankheit) ist das Endstadium einer Infektion mit HIV (Human Immunodeficiency Virus). Bis heute wurden zwei Virustypen (HIV-1 + -2) mit zahlreichen Untergruppen nachgewiesen. Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit vergehen im Durchschnitt etwa zehn Jahre. In dieser Zeit können die Infizierten - ohne etwas von der Infektion zu merken - das Virus auf andere Menschen übertragen. Gleichzeitig bestehende “klassische” Geschlechtskrankheiten (insbesondere Syphilis, Herpes genitalis und Ulcus molle) erhöhen die Empfänglichkeit für eine Infektion mit dem Aidsvirus. Der Nachweis der HIV-Infektion erfolgt durch eine Blutuntersuchung (HIV-Test). Die Krankheit ist bis heute nicht heilbar und kann zum Tode führen. Durch rechtzeitiges Erkennen der Infektion und eine Behandlung mit den antiretroviralen Medikamenten ist es möglich, den Ausbruch der Krankheit hinauszuzögern, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und die Infektiosität deutlich zu senken. Eine Schutzimpfung ist in absehbarer Zeit nicht verfügbar.
Hepatitis (infektiöse Gelbsucht)
Es gibt verschiedene Hepatitisviren, von denen vor allem das Hepatitis-B-Virus (HBV) und in geringerem Masse auch das Hepatitis-C-Virus (HCV) sexuell übertragbar sind. Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich: Die Infektion kann ohne Beschwerden verlaufen oder zu einer akuten schweren Leberentzündung (Hepatitis) führen, die in einigen Fällen tödlich endet. Zu einem erheblichen Anteil geht die Infektion in eine chronische Leberentzündung über, die zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen kann.
Problematisch bei der Hepatitis B/C ist, dass einige Menschen lebenslang Virusträger bleiben (auch ohne krank zu sein) und andere Menschen anstecken können. Das Hepatitis-B/-C-Virus kann ausser bei Geschlechtsverkehr auch durch Bluttransfusionen, Spritzentausch bei Drogenkonsum und manchmal sogar durch direkten und indirekten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen werden.
In Drittweltländern ist die Hepatitis B in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet, in Europa sind hauptsächlich intravenös Drogensüchtige (Fixer) und homosexuelle Männer betroffen. Für die Hepatitis B steht seit Jahren eine sichere Schutzimpfung zur Verfügung.
Herpes genitalis
Der genitale Herpes ist eine weitverbreitete Virusinfektion mit dem Herpes simplex Virus (HSV). Dieses Virus kommt in zwei unterschiedlichen Formen vor (Typ 1 und 2). Während der Typ 2 fast ausschliesslich genital vorkommt, kann das Typ 1 Virus sowohl Fieberbläschen an den Lippen als auch zunehmend Läsionen genital verursachen. Drei bis sieben Tage nach der Infektion treten im Geschlechtsbereich kleine, stark juckende oder schmerzende Bläschen auf, die eine ansteckende Flüssigkeit enthalten. Ausserdem können Lymphknotenschwellungen und fieberhafte Allgemeinerscheinungen auftreten. Das Virus kann direkt in der Bläschenflüssigkeit nachgewiesen werden. Trotz einer Behandlung mit einem antiviralen Medikament (z.B. Aciclovir) kann das Virus in den Nervenzellen überleben und nach Wochen bis Jahren zu erneuten Episoden mit Bläschen oder Geschwüren führen, die jedoch meistens milder verlaufen. Bei infizierten schwangeren Frauen kann während der Geburt das Herpesvirus auf das Neugeborene übertragen werden und schwere Erkrankungen (z.B. Hirnentzündung) mit bleibenden Schäden verursachen oder zum Tod führen.
Genitale Warzen (Condylomata acuminata)
Nach unterschiedlicher Inkubationszeit (Wochen bis Monate) wachsen die genitalen Warzen als flache oder oft blumenkohlartige Läsionen im Genitalbereich. Sie werden durch Viren (humane Papillomaviren = HPV, Typ 6 und 11) verursacht und können entweder physikalisch (Laser, flüssiger Stickstoff, Elektrokoagulation oder mit dem Skalpell) oder mit lokal anzuwendenden Mitteln (Lösungen/Crème) entfernt werden. Papillomaviren können während der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden. Andere HPV Typen (v.a. Typ 16 und 18) sind verantwortlich für den Gebärmutterhalskrebs bei der Frau. Seit wenigen Jahren ist eine sichere Schutzimpfung (gegen die Typen 6,11,16,18) für Mädchen verfügbar. Diese sollte jedoch vor Beginn der sexuellen Aktivitäten erfolgen.
Trichomonaden
Trichomonaden sind weitverbreitete einzellige Parasiten, die Harnröhre und Scheide befallen. Die Infektion äussert sich durch wässrigen Ausfluss und Juckreiz. Die Diagnose geschieht durch mikroskopischen Erregernachweis. Diese weltweit häufige aber harmlose Infektionskrankheit wird mit speziellen Antibiotika (z.B. Metronidazol) geheilt.
Pilzinfektionen
Der Hefepilz (Candida albicans) ist sehr verbreitet und kann gelegentlich auch sexuell übertragen werden. Grundsätzlich kommen jedoch Pilzinfektionen bei Geschlechtskrankheiten eine untergeordnete Rolle zu. Diese an sich harmlose Infektion (Entzündung von Scheide bzw. Vorhaut und Eichel beim Mann) kann aber zu unangenehmen Beschwerden wie starkem Juckreiz und Brennen führen. Bei der Frau tritt zusätzlich ein weisslicher Ausfluss auf. Mit speziellen Medikamenten (Antimykotika) und entsprechender Hygiene sind Pilzinfektionen gut zu behandeln.
Filzläuse
Filzläuse sind kleine Insekten, die sich in der Schambehaarung einnisten. Sie sind mit blosFilzläuse (Phthirius pubis) sind kleine (1-1,5 mm) parasitäre Insekten, die sich in der Schambehaarung (seltener Achselbehaarung oder Wimpern) einnisten. Sie sind mit blossem Auge sichtbar, ebenso ihre Eier (Nissen), die an den Haaren festkleben. Starker Juckreiz ist das wichtigste Symptom. Die Behandlung dieser harmlosen Geschlechtskrankheit erfolgt mit lokalen Mitteln.
Krätze (Scabie)
Die Krätze wird durch Milben (Sarcoptes scabiei) verursacht, die während des Geschlechtsverkehrs - oder aber auch durch engen Körperkontakt innerhalb der Familie - übertragen werden können und Gänge in die Haut bohren (Fingerzwischenräume, Handgelenke, Achseln, Intimbereich, Bauchnabel und Brüste). Dies bewirkt stark juckende (v.a. nachts) Ausschläge. Oft erkennt man von blossem Auge einen sogenannten Milbengang. Die Behandlung mit lokalen Mitteln (Crème) erfordert eine gleichzeitige und exakte Mitbehandlung der ganzen Familie und weiterer exponierter Personen sowie einen Wäschewechsel.
Die wichtigsten sexuell übertragbaren Krankheiten auf einen Blick
| Krankheit | Erreger | Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung | Behandlung | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Syphilis | Bakterien (Treponema pallidum) | 3 Wochen (bis 3 Monate) | Antibiotika | vollständige Heilung bei rechtzeitiger Behandlung |
| Gonorrhö | Bakterien (Neisseria gonorrhoeae) | wenige Tage | Antibiotika | vollständige Heilung bei rechtzeitiger Behandlung |
| Ulcus molle | Bakterien (Haemophilus ducreyi) | einige Tage | Antibiotika | vollständige Heilung bei rechtzeitiger Behandlung |
| Lymphogranuloma inguinale | Bakterien (spez. Stämme von Chlamydia trachomatis) | einige Tage | Antibiotika | vollständige Heilung bei rechtzeitiger Behandlung |
| Chlamydien-Infektionen | Bakterien (Chlamydia trachomatis) | einige Tage | Antibiotika | vollständige Heilung bei rechtzeitiger Behandlung |
| HIV-Infektion / Aids | Viren (HIV-1/-2) HIV-Test positiv innerhalb 2 bis 6 Wochen, höchstens 3 Monaten | etwa 12 Jahre | antiretrovirale Medikamente | nicht heilbar, Virus bleibt im Körper, lebensverlängernde und lindernde Behandlung möglich |
| Hepatitis B / C | Viren (HBV/HCV) | einige Wochen bis Monate | häufig symptomatisch, antivirale Medikamente | meistens spontane Heilung, antivirale Behandlung möglich, prophylaktische Impfung gegen HBV |
| Herpes genitalis | Viren (Herpes simplex Virus Typ 2, zunehmend auch Typ 1) | einige Tage | symptomatisch, antivirale Medikamente | Virus kann nicht aus dem Körper eliminiert werden |
| genitale Warzen | Viren (Papillomaviren) | Wochen bis Monate | Topisch (Lösungen/Crème) oder physikalisch(Laser etc.) | Heilung möglich, erhöhtes Gebärmutterhals-krebsrisiko, Impfung für Mädchen verfügbar |
| Trichomoniasis | Parasiten (Trichomonas vaginalis) | einige Tage | antiparasitäre Mittel | vollständige Heilung möglich |
| Pilzinfektionen | Hefepilze (v.a. Candida albicans) | einige Tage | Antimykotika | vollständige Heilung möglich |
| Filzläuse | Insekten (Phthirus pubis) | einige Tage | antiparasitäre Mittel (lokal) | vollständige Heilung möglich |
| Krätze (Scabies) | Milben (Sarcoptes scabiei) | oft mehrere Wochen | antiparasitäre Mittel (lokal) | vollständige Heilung möglich |
Was tun, wenn Sie von einer sexuell übertragbaren Krankheiten betroffen sind?
Wenn Sie befürchten, dass Sie sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert haben, wenden Sie sich unverzüglich an einen Arzt Ihres Vertrauens. Neben dem Hausarzt kann das ein Hautarzt, ein Frauenarzt, ein Urologe oder ein Internist sein. Der Versuch, eine Geschlechtskrankheit selbst zu “behandeln—, ist problematisch, ja sogar gefährlich, weil es dem Arzt später die Diagnose erschwert und die Infektion unerkannt bleiben kann.
Viele Geschlechtskrankheiten können bei korrekter ärztlicher Behandlung geheilt werden. Ausnahmen sind die viralen STI wie beispielsweise die Herpesinfektionen, die Hepatitis B/C und AIDS. Aber auch bei der HIV-Infektion können moderne Medikamente die Lebenszeit und vor allem die Lebensqualität des Patienten markant verbessern. Davon kann aber insbesondere derjenige profitieren, der frühzeitig von seiner HIV-Infektion Kenntnis hat. Deshalb lohnt es sich, beim Vorliegen einer anderen Geschlechtskrankheit immer auch einen HIV-Test durchführen zu lassen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
Wenn Sie an einer Geschlechtskrankheit leiden, müssen Sie - um Ihren Partner zu schützen - so lange auf Sexualkontakte verzichten, bis die Krankheit ausgeheilt ist und Sie Ihren Partner nicht mehr anstecken können. Ihr Arzt wird Ihnen sagen, wann keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Ihren früheren und/oder Ihren jetzigen Partner sollten Sie über Ihre Geschlechtskrankheit informieren. Mindestens einer von ihnen leidet unter der gleichen Krankheit (sonst können Sie sie ja nicht haben), und möglicherweise haben Sie die Infektion bereits an andere weitergegeben. Diese Partner sollten ebenfalls einen Arzt aufsuchen und gegebenenfalls behandelt werden.
In der Schweiz gibt es ein Epidemiengesetz (das aktuell revidiert wird) , dem auch die sexuell übertragbaren Krankheiten unterstehen. Patienten, die an einer “klassischen” Geschlechtskrankheit (z.B. Syphilis oder Gonorrhöe) leiden, müssen sich von einem Arzt behandeln lassen. Der Arzt ist ausserdem dafür besorgt, dass die Patienten ihre Geschlechtspartner informieren und dass diese sich ebenfalls in Behandlung begeben. Wenn der Patient oder eine Kontaktperson sich nicht untersuchen oder behandeln lässt (oder die Behandlung vorzeitig abbricht), ist der Arzt verpflichtet, den Patienten der Gesundheitsbehörde namentlich zu melden.
Viele Menschen haben Hemmungen, über Geschlechtskrankheiten zu sprechen. Wichtig ist aber das Vertrauen und die Offenheit dem Arzt gegenüber, der Sie unter Wahrung des Arztgeheimnisses kompetent und ohne Vorurteile behandeln wird.
Wie kann man sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen?
Da die Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten fast ausschliesslich beim Geschlechtsverkehr erfolgt, müssen Schutzmassnahmen auch dort ansetzen. Manche Geschlechtskrankheiten sind äusserlich sichtbar, doch meistens sieht man es dem Partner nicht an, ob eine Geschlechtskrankheit vorliegt.
Treue
In einer treuen Liebesbeziehung zweier gesunder Partner ist eine Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit praktisch ausgeschlossen.
Sorgfältige Partnerwahl
Eine neue sexuelle Beziehung birgt grundsätzlich die Gefahr einer Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit in sich. Nur wenn der Partner nicht infiziert ist, ist eine Ansteckung ausgeschlossen. Aus diesem Grunde ist es besonders wichtig, den Partner sehr sorgfältig auszuwählen. Durch das offene Gespräch mit dem Partner sollte man Risiken abklären. Wie war das Vorleben des zukünftigen Partners? Wie wollen wir uns schützen? Verheimlichen nützt letztlich nur den Krankheitserregern.
HIV-Test
Da Aids nicht heilbar ist, empfiehlt es sich heutzutage, einen HIV-Test zu machen, um eine unerkannte Ansteckung in der Vergangenheit auszuschliessen.
Keine flüchtigen Sexualkontakte
Da nicht alle Geschlechtskrankheiten behandelbar sind und u.U. zum Tode führen (Aids), schwere körperliche Schädigungen (Hepatitis B/C) oder eine Unfruchtbarkeit zur Folge haben können, empfiehlt es sich, auf flüchtige Sexualkontakte (insbesondere auf Reisen) zu verzichten. Ein einziger Sexualkontakt kann für eine Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit ausreichen. Häufiger Partnerwechsel erhöht das Risiko, einem infizierten Partner zu begegnen.
Kondome
Bei Kontakten ausserhalb einer festen Beziehung kann durch den richtigen Gebrauch von Kondomen das Risiko einer Geschlechtskrankheit deutlich gesenkt, aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. Gerade junge Menschen haben häufig noch keine oder wenig Erfahrung mit Kondomen, weswegen auch die Gefahr von Anwendungsfehlern besteht.
Drogenabstinenz
Drogen und Alkohol trüben das Gefühl für die Wirklichkeit, vernebeln das Verantwortungsbewusstsein, schwächen das Urteilsvermögen sowie die Selbstbeherrschung und verleiten dadurch zu unbedachten und oft ungeschützten sexuellen Kontakten.
Impfung gegen Hepatitis B und Gebärmutterhalskrebs und genitale Warzen
Gehören Sie einer Risikogruppe für Hepatitis B an (z.B. medizinisches Personal, intravenös Drogensüchtige [Fixer], längerer Aufenthalt in einem Entwicklungsland, Homosexualität), ist eine Impfung gegen Hepatitis B in jedem Fall empfehlenswert. Heute wird die Impfung grundsätzlich für alle empfohlen. Ebenfalls empfehlenswert ist die Impfung gegen die HPV-Typen 6,11,16 und 18 zur Verhinderung von genitalen Warzen und Gebärmutterhalskrebs. Diese ist aktuell für Mädchen vor Aufnahme der sexuellen Aktivität bestimmt
©AIDS-Aufklärung Schweiz – 1994, revidiert 2010
Titelbild: Auguste Renoir: La danse à Bougival (Ausschnitt),
entstanden um 1882/83.
©Picture Fund Courtesy, Museum of Fine Arts, Boston