ART senkt Ansteckungsrisiko
Antiretrovirale Medikamente (ART) können die HI-Viren bei HIV-infizierten Menschen im Idealfall so gut bekämpfen, dass im Blut keine Viren mehr nachgewiesen werden können. Dadurch werden die Viren auch in anderen Körperflüssigkeiten (wie Genitalflüssigkeiten) deutlich dezimiert, und das Ansteckungsrisiko für sexuelle Übertragungen wird stark vermindert. ART ist eine effektive Präventionsmassnahme, um die Epidemie zu bekämpfen. Studien haben gezeigt, dass in denjenigen Bevölkerungsgruppen eine drastische Reduktion der HIV-Ansteckungen erreicht werden konnte, in denen die HIV-Infizierten mit ART behandelt wurden. Die Neuansteckungsraten konnten um 80% vermindert werden. So könnte die HIV-Epidemie in reichen Industrieländern schon heute praktisch gestoppt werden, wobei das Risikoverhalten gleichzeitig vermindert werden müsste und alle HIV-Infizierten Kenntnis von ihrer Infektion haben müssten.
Empfehlungen für HIV-Infizierte unter wirksamer ART
Doch im Einzelfall kann auch bei einer optimal wirkenden Therapie (keine Viren im Blut nachweisbar) das Übertragungsrisiko nicht ganz ausgeschlossen werden. 2008 wurde in der Fachliteratur eine solche Ansteckung dokumentiert. Leider gibt es Menschen, die diese Medikamente wegen Nebenwirkungen nicht vertragen, und andere, die resistent gegen diese Medikamente werden, so dass letztere ihre Wirksamkeit verlieren.Die Empfehlung für HIV-infizierte Personen ändert sich nicht durch eine erfolgreiche Behandlung mit ART. Der HIV-Infizierte muss seine(n) Sexualpartner über seine HIV-Infektion informieren und konsequent Kondome verwenden. Auch bei einem Paar, bei denen beide HIV-infiziert sind, empfiehlt es sich wegen möglicher Übertragung von resistenten Viren, konsequent Kondome zu verwenden.
ART reduziert Mutter-Kind-Übertragung
Die HIV-Übertragungsrate von einer HIV-infizierten Mutter auf ihr Kind während Schwangerschaft, Geburt und Stillen beträgt etwa 30%. Durch ART sowie Verzicht auf Stillen kann das Übertragungsrisiko auf unter 1% gesenkt werden. Aus diesem Grund ist es für werdende Mütter ein Muss, sich auf HIV testen zu lassen, um von diesen Massnahmen profitieren zu können. Ein Elternpaar sollte sich aber schon vor der Zeugung eines Kindes testen lassen. Falls eines der beiden Elternteile HIV-positiv wäre, ist es angebracht, die Frage nach einem Kinderwunsch noch einmal zu überdenken und sich von einem Arzt eingehend beraten zu lassen, denn ein Kind hat das Recht, dass seine Eltern alles für seine Gesundheit, aber auch für die eigene Gesundheit tun.Postexpositionsprophylaxe (= PEP)
Die antiretroviralen Medikamente werden auch als Prophylaxe nach einem Ansteckungsrisiko angewandt. Möglichst bald nach einem Ansteckungsrisiko können diese Medikamente eingenommen werden, idealerweise nach wenigen Stunden, mindestens aber innerhalb von 72 Stunden. ART muss während 4 Wochen eingenommen werden. Man erhofft sich dadurch, gleich zu Beginn alle HI-Viren abtöten zu können, damit sie sich gar nicht erst im ganzen Körper ausbreiten und einnisten können.Die PEP wird bei einem Berufsunfall von Medizinalpersonen, wie zum Beispiel bei einer Verletzung mit einer benutzten Spritze, angewandt. Laut Studien konnte das Übertragungsrisiko nach Verletzungen durch mit HIV-Blut kontaminierten Spritzen oder Skalpelle um 80% reduziert werden.
Die Postexpositionsprophylaxe steht theoretisch auch Personen zur Verfügung, die sich bei einem ungeschützten sexuellen Kontakt mit einem HIV-infizierten Partner angesteckt haben könnten. Über die Wirksamkeit von PEP bei sexuellen Übertragungsrisiken weiss man allerdings noch wenig. Deshalb eignet sie sich im allgemeinen nicht als Präventionsmethode bei sexuellen Risiken. Eine sinnvolle Anwendung findet PEP z.B. nach Vergewaltigungen.
Quelle: HIV/Aids – Aktuell (Dr. med. Kurt April)
March 2010
