Kondom
Das Kondom senkt das Risiko einer HIV-Übertragung wirksam, um das 5- bis 10fache, schliesst es aber nicht ganz aus. Das Restrisiko wird auf 10–20% geschätzt. Gerade junge Menschen haben natürlicherweise noch keine oder wenig Erfahrung mit Kondomen, wodurch die Gefahr von Anwendungsfehlern steigt. Auch hier gilt: Je tiefer die Beziehung zum Partner und je sicherer sich die Partner miteinander fühlen, desto eher kann das Paar offen über die richtige Anwendung des Kondoms sprechen. Dagegen ist unter Alkohol- und Drogeneinfluss die Gefahr von Anwendungsfehlern erhöht.
Das Kondom eignet sich in erster Linie zur Risikoreduktion bei Sexualität mit Personen, die HIV-infiziert sind oder einen unbekannten HIV-Status haben. Für Menschen mit häufig wechselnden Partnern oder bei Sexualität mit Prostituierten, bei One-Night-Stands usw. ist die zuverlässige und korrekte Kondomanwendung ein Muss. HIV-positive Personen unter Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten (ART) sollten ebenso das Kondom immer anwenden.
Das Kondom eignet sich auch zur zusätzlichen Risikoreduktion für Menschen mit geringem HIV-Risiko. Diese Situation besteht beispielsweise bei unklarem Testergebnis. Oder bei einem Paar mit negativem Testergebnis drei Monate nach dem letzten Ansteckungsrisiko: Es möchte nicht noch einmal drei Monate mit der Sexualität warten, bis in drei weiteren Monaten der HIV-Test zur letzten Sicherheit wiederholt werden kann, und verwendet in dieser Zeit noch Kondome.
Für Menschen, die kein HIV-Übertragungsrisiko eingehen wollen, genügt das Kondom nicht, da sind sorgfältige Partnerwahl, anfängliche Abstinenz und später eine treue Beziehung zu einem nichtinfizierten Partner die Präventionsmethode der Wahl.
Richtige Kondomanwendung
- Bei jedem Sexualverkehr ein ungebrauchtes, geprüftes Kondom verwenden.
- Das Kondom überziehen, sobald die Erektion auftritt, und vor jedem Kontakt des Penis mit Schleimhaut (Vagina, Mund, Anus) und Körperflüssigkeiten des Partners.
- Packung erst vor Gebrauch öffnen, wenn der Penis steif ist, und vor dem ersten Eindringen. Öffnen Sie es, indem Sie es bei der Kerbe einreissen. Vermeiden Sie jede Beschädigung des Präservativs durch Fingernägel oder scharfe Gegenstände (keine Scheren oder Messer zum Öffnen der Verpackung verwenden).
- Halten Sie das Präservativ an seiner Spitze. Ziehen Sie sorgfältig die Vorhaut zurück und rollen Sie das Präservativ in der ganzen Länge entlang dem steifen Glied ab. Achten Sie darauf, dass das Präservativ nicht zu angespannt über dem Penis liegt (Gefahr vom Reissen). Lassen Sie einen kleinen luftleeren Raum an der Spitze des Kondoms und versichern Sie sich, dass es keine Luft zwischen Penis und Kondom gibt.
- Bei Entrollen in die falsche Richtung nehmen Sie ein neues Präservativ.
- Nach dem Samenerguss ziehen Sie das Glied vor dem Erschlaffen vorsichtig heraus. Dabei halten Sie das Präservativ an der Peniswurzel fest, damit kein Sperma auslaufen kann.
- Falls der Penis vor dem Samenerguss erschlafft, halten Sie das Kondom an der Peniswurzel fest, und ziehen Sie das Glied heraus. Falls Sie erneut eine vollständige Erektion bekommen und erneut eindringen möchten, verwenden Sie ein neues Kondom.
- Wenn nicht genug Scheidenflüssigkeit vorhanden ist, ein geeignetes Gleitmittel verwenden, das in Apotheke oder Drogerie erhältlich ist. Keine ölhaltigen Flüssigkeiten wie Handcreme, Babyöl usw., sonst besteht eine erhöhte Gefahr, dass das Kondom beim Geschlechtsverkehr reisst.
- Im Falle eines Reissens oder Abgleitens und wenn eine HIV-Infektion zu befürchten ist, wird empfohlen, so rasch wie möglich einen Arzt aufzusuchen.
Quelle: HIV/Aids – Aktuell (Dr. med. Kurt April)
Februar 2010