Drogen und Alkohol

HIV-Übertragungen unter Drogen


Viele Menschen denken beim Problemkreis Drogen und HIV-Ansteckung nur an HIV-Übertragung durch Spritzentausch. Doch in vielen Ländern geschehen unterdessen mehr HIV-Übertragungen durch sexuelle Übertragung während des Rausches unter Kokain, Amphetaminen, Haschisch, Ecstasy oder anderen Designerdrogen. Insbesondere durch Kokain, Ecstasy und GHB nimmt das Risikoverhalten deutlich zu: häufige flüchtige Sexualkontakte, sogenannte One-Night-Stands, risikoreichere Sexualpraktiken und weniger Kondomanwendung. Durch den Rausch können Hemmungen vermindert, auch normale persönliche Schranken ausgeschaltet, sowie sexuelle Bedürfnisse gefördert und sexuelle Erregung gesteigert werden. Viele Menschen bereuen nach dem Rausch ihre sexuellen Aktivitäten.

Was tun? Kontrollierter Drogengebrauch oder Abstinenz? Während eines Rausches ist die Willensfähigkeit vermindert und die Vernunft getrübt. Wenn jemand bereits im Rausch ist, kann er nicht mehr vernünftig entscheiden, was er will, aber später bereut. Somit ist auch aus der Sicht der HIV-Prävention die Empfehlung eindeutig: keine Drogen!

Alkohol bei jungen Menschen

Eine repräsentative Befragung der Schweizerischen Fachstelle für Alkoholfragen (sfa) zum Alkoholkonsum von Jugendlichen in der Schweiz brachte Erschreckendes ans Licht: Im Jahre 2007 konsumierten in den 30 Tagen vor der Befragung 46% der 13-Jährigen Alkohol; in der Altersgruppe der 15-Jährigen waren es bereits 73%.

Bei allen Jahrgängen der 12–24 Jährigen nahm der Alkoholkonsum in den letzten Jahren weiter zu. Jugendliche und junge Menschen tranken häufiger und grössere Mengen, wie die Statistiken zeigen.

Viele junge Menschen trinken Alkohol, um sich von ihren Hemmungen bei der Partnersuche und Sexualität zu befreien oder ihre Unerfahrenheit zu überspielen. Manche benötigen dafür geringere, andere grössere Mengen Alkohol. Im Alkoholrausch ist das Risikoverhalten besonders hoch. Alarmierend sind die Spitalstatistiken: 2005 wurden täglich 4 junge Menschen mit einer Alkoholvergiftung in ein Schweizer Spital eingewiesen, Tendenz steigend. Diese jungen Menschen wissen am nächsten Morgen nicht mehr, ob sie einen risikoreichen Sexualkontakt eingegangen sind oder nicht.

Für junge Menschen ist es wichtig zu wissen, dass jedermann auch im Bereich Liebe und Sexualität Vieles erlernen muss. Durch Gespräche mit den Eltern und Fachpersonen können junge Menschen erfahren, wie man solche Probleme nüchtern zu bewältigen lernt. Dies ist gerade für die HIV-Prävention entscheidend.

Deshalb die Empfehlung zur HIV-Prävention: Alkohol nur in Massen, z.B. zu einem Essen oder zum Anstossen. Keinen Alkohol, um Hemmungen oder Unerfahrenheit zu überspielen. Der zukünftige Partner soll einen Kennenlernen, wie man ist: Das ist ein bewährtes Konzept!

Drogenabhängigkeit

Menschen, die sich Drogen (meist Heroin oder Kokain) intravenös spritzen, sind Sklaven ihrer Droge. Andauernder Drogenmissbrauch (Sucht) bewirkt eine Abstumpfung von Gefühlen und Empfindungen. Drogenabhängigen ist die eigene Gesundheit oft so wenig wert, dass sie wider besseres Wissen bereits gebrauchte Spritzen und andere Utensilien wieder verwenden.

Bei drogenabhängigen Menschen dreht sich ihr ganzes Leben – Fühlen, Denken und Handeln - um die Droge. Selbstachtung und Moral werden unwichtig, weshalb Beschaffungsprostitution und flüchtige sexuelle Risikokontakte häufig vorkommen. HIV-Übertragungen sind nicht selten die Folge.

Der beste Ratschlag für einen Menschen, der von Suchtmitteln abhängig ist, lautet: abstinent zu werden, das heisst sich in eine abstinenzorientierte Drogentherapie zu begeben. Dadurch erlangt er wieder seine Freiheit und kommt in die Lage, sein Leben – auch die HIV-Risiken – selbst bestimmen zu können. Denjenigen, die dies nicht schaffen, sind Methadonprogramme und Gebrauch von sauberen Spritzen, Nadeln, Tupfern usw. empfohlen, um die Ansteckungsrisiken zu vermindern.





Quelle: HIV/Aids – Aktuell (Dr. med. Kurt April)
Februar 2010