Vermehrung der HI-Viren
HI-Viren lassen sich von den Abwehrzellen «fressen» und gelangen so in die Abwehrzellen des Menschen. Dabei schleusen sie das Enzym «Reverse Transkriptase» mit ein, welches das Viruserbgut (RNS) in das Erbgut des Menschen (DNS) umwandelt. Das Viruserbgut wird in die Erbsubstanz der Wirtszelle eingebaut.
Das HI-Virus trickst die befallene Abwehrzelle ebenso bei der Vermehrung aus. Erhält die Abwehrzelle den Befehl, sich zu vermehren (zum Beispiel um HI-Viren oder andere Viren oder Bakterien zu vernichten), löst sie damit die Vermehrung der HI-Viren aus. Bei der Vermehrung braucht das Virus die Wirtszelle für seine Zwecke, indem es deren Nährstoffen benutzt. Es werden gleich Tausende von HI-Viren gebildet, wodurch die Abwehrzelle zugrunde geht. Die neuen HI-Viren befallen wieder andere Abwehrzellen.
HIV wird in die Wirtszelle (Helferzelle) einverleibt:
- HIV dockt am CD4-Rezeptor der Helferzellezelle an.
- HIV schleust sein Erbgut (RNA) hinein.
- reverse Transkriptase der Helferzelle wandelt die RNA in DNA um.
- Die Integrase baut die virale DNA in die DNA des Zellkerns der Wirtszelle ein.
- HIV-DNA wird in RNA umgewandelt.
- Protease baut neues HIV auf (Knospung).
- HIV löst sich von Wirtzelle ab (Aussprossung).
Bei der Umwandlung des Erbgutes und bei der Herstellung von Erbgutkopien für die Bildung neuer Viren entste hen durch „Über setzungsfehler“ immer neue HIV-Varianten. Diese Varianten können sich durch Eigenschaften auszeichnen, die sie von dem ursprünglichen HIV unterscheiden; sie können unterschiedlich ansteckend sein und verschieden schnell zu Aids und zum Tod führen. Es wurde beobachtet, dass in einem einzigen HIV-infizierten Menschen mehrere Millionen von Virusvarianten entstehen.
Diese Veränderlichkeit verleiht dem HI-Virus die Fähigkeit, sich seiner Umgebung anzupassen, und sie ist der Grund dafür, dass das HIV gegen Medikamente schnell widerstandsfähig (resistent) werden kann. Die Entwicklung eines Impfstoffes und von Medikamenten, die einen HIV-infizierten Menschen heilen könnten, scheiterte bisher nicht zuletzt an der schnellen Veränderlichkeit des HIV.
Quelle: HIV/Aids – Aktuell (Dr. med. Kurt April)
Februar 2010