HIV-Epidemie
Global
Die HIV-Epidemie breitete sich in den 70er und 80er Jahren von Afrika über Haiti und die USA auf alle Länder der Welt aus. Die HIV-Infektion überträgt sich in erster Linie auf sexuellem Wege. Weltweit nimmt die Anzahl der lebenden HIV-Infizierten weiter zu, wenn auch langsamer.
Hingegen sinkt die Anzahl der Neuinfizierten seit 1996 (3.5 Millionen) bis 2008 (2.3 Millionen) kontinuierlich. Der Grund dürfte die häufigere Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten (ART) sein. In den armen Ländern erhielt 2008 bereits jeder dritte HIV-Infizierte (4 Millionen) eine antiretrovirale Therapie, das sind zehn Mal mehr als 2003.
Afrika
Afrika südlich der Sahara ist mit zweiDritteln aller lebender HIV-Infizierter am stärksten betroffen. 2008 lebten dort 91% aller Kinder mit HIV und 14 Millionen Waisenkinder, deren Eltern an Aids gestorben waren. Es wird geschätzt, dass in Subsahara-Afrika jeder 20ste (5%) das HI-Virus in sich trägt.
2008 ist Südafrika mit 5.7 Millionen weltweit das Land mit den meisten HIV-infizierten Menschen. Noch dramatischer ist die Situation in einigen kleinen Ländern, die prozentual weltweit am meisten HIV-Infizierte haben: Swaziland 26%, Botswana 24%, Lesotho 23%.
Nordamerika und Westeuropa
In Nordamerika und Westeuropa (wie in den USA) erfasste das HI-Virus zuerst die homosexuelle Bevölkerungsgruppe und die iv-Drogenabhängigen. Aus diesen Schlüsselgruppen breitete sich die HIV-Epidemie bereits in den 80er Jahren schleichend in der heterosexuellen Bevölkerung aus.
Allerdings ist die Rate (Prozentsatz der HIV-Infektionen innerhalb einer Risikogruppe) unter den Homosexuellen und iv-Drogenabhängigen 30 bis 40 Mal höher als bei Heterosexuellen.
In den meisten westlichen Ländern nahmen die Neuansteckungen unter Homosexuellen in den letzten zehn Jahren wieder stark zu. Hingegen nahmen die Neuansteckungen bei den iv-Drogenabhängigen stark ab, z. B. in der Schweiz vom häufigsten Übertragungsweg Anfang der 90er Jahre auf 4% der Neuinfektionen im Jahre 2008.
Schweiz – Deutschland – Österreich
In der Schweiz werden seit 1997 pro Jahr 700–800 Menschen neu HIV-positiv gemeldet. Die Zahl der Menschen, die insgesamt mit einer HIV-Infektion leben, nimmt auch in der Schweiz weiterhin von Jahr zu Jahr zu. Zurzeit sind dies in der Schweiz zirka 25‘000 Menschen (vorsichtige Schätzung von UNAIDS/WHO). In Deutschland wurden für 2008 2‘800 HIV-Infizierte gemeldet, Tendenz steigend. Ende 2008 hatten in der Bundesrepublik etwa 63‘500 Menschen das HI-Virus im Blut, etwa 10‘500 davon lebten zu dem Zeitpunkt mit der ausgebrochenen Krankheit, die nach wie vor unheilbar ist.
In Österreich wurden im Jahr 2008 505 Neuinfektionen festgestellt. Das sind mehr als in den Jahren 1994 bis 2006, in denen die Zahl der diagnostizierten HIV-Neuinfektionen immer unter 500 pro Jahr lag. 2006 erfolgten fast 42 Prozent der Neuinfektionen über heterosexuelle Kontakte (1998 waren es 27%!), 28,6 Prozent über homosexuelle Kontakte und 20,5 Prozent über intravenösen Drogenkonsum.
Durch die Einführung der modernen Therapie (ART) im Jahre 1996 nahm die Anzahl Menschen, die an Aids erkrankt oder gestorben sind, in allen drei Ländern deutlich ab. Trotzdem erkranken in der Schweiz jährlich gegen 200 Menschen an Aids, und mehr als 100 sterben daran.
Quelle: HIV/Aids – Aktuell (Dr. med. Kurt April)
Februar 2010